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„Wie Musik wirkt, hängt immer vom Hörenden ab.“ Mit dieser Aussage führte Musikpädagoge Michael Schuhmacher in das Thema der diesjährigen Jugendseelsorgetagung des Bischöflichen Jugendamtes (BJA) ein. Anfang Januar beschäftigten sich knapp 120 Teilnehmerinnen und Teilnehemr in Rot an der Rot mit der Wirkung und dem Einsatz von Popmusik in Unterricht, Jugendarbeit und Liturgie.

Individuelle Lebenserfahrung, emotionale Befindlichkeit sowie Musikperformance und -Stil beeinflussen laut Schuhmacher, wie die Hörer Musik wahrnehmen und bewerten. Wer von den Teilnehmenden auf eine allgemeingültige Formel für den wirkungsvollen Einsatz von Musik in seinem Arbeitsfeld gehofft hatte, war von Schuhmachers Fazit etwas ernüchtert. Der Musikpädagoge ermutigte jedoch dazu, bei der Musikauswahl die Gruppe miteinzubeziehen, die erreicht werden soll. Im gemeinsamen Suchen nach einem passenden Song oder Musiktitel entstehe bereits der gewünschte Austausch über Texte, Musikstile und -vorlieben.

In Hörkontakt mit explizit christlicher Popmusik kamen die TagungsteilnehmerInnen mittels Videoclips verschiedener Bands, die das breite Spektrum an Popmusikgenres aufzeigten. Songwriter Johannes Falk gab einen Einblick in die christliche Musikszene und wünschte mehr Mut und Kreativität, Texte abseits der gängigen Weichspülformeln zu formulieren: „Zweifel, Sorgen und Ängste haben durchaus ihre Berechtigung in der christlichen Musik. Es braucht darin mehr genreübergreifende Popmusik, auch aus der Säkularszene, die sich mit den Lebensfragen der Menschen auseinandersetzt.“

Zum gleichen Ergebnis kam auch Prof. Dr. Johanna Rahner, Theologin und Dozentin für Dogmatik an der Universität Tübingen. Liturgie könne mit allen Musikstilen gefeiert werden, wenn sie die existentiellen Lebensfragen der Menschen und ihre Suche nach Sinn aufgreifen und keine vorgefertigten Antworten in glatten gefälligen Floskeln liefern. „Melodien und Texte entfalten dann ihre größte Wirkung, wenn sich der Mensch mit seinen Lebensbrüchen und offenen Fragen darin wiederfindet. Es gibt heutzutage noch zu viele Gottesdienste, die auf ein traditionelles Liedgut zurückgreifen, das von Begriffen geprägt ist, die keine Resonanzfähigkeit mehr besitzen“.

Pressemitteilung Bischöfliches Jugendamt / Elke Dischinger/Jochen Wiedemann

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