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Stuttgart/Rottenburg. Nach rund zehnjähriger Arbeit liegt die rund 1.500 Seiten starke „Geschichte der Diözese Rottenburg-Stuttgart“ vor. "Renommierte Historiker beleuchten die Diözesangeschichte im Kontext der Geschichte des Südwestdeutschen Raums vom Anfang der Christianisierung bis in die Gegenwart", sagt Bischof Dr. Gebhard Fürst, Mitherausgeber Andreas Holzem verweist darauf, dass das Werk voller neuer Erkenntnisse ist.

Die wichtigste sei, dass die Geschichte der Diözese nicht erst mit ihrer Gründung beginnt. In den Büchern seien die neusten Forschungen über Mittelalter, Reformation und Frühe Neuzeit im deutschen Südwesten integriert. “Weite Phasen der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sind so auf Grundlage von bislang unpubliziertem Archivmaterial neu geschrieben worden.“ In den Fragestellungen des Autorenteams sei es beispielsweise darum gegangen, wie viel Raum und Bildung Mädchen und Frauen während der Weimarer Republik, in einer Zeit „überdehnter Männlichkeit“, zugestanden wurde oder darum, welche Versuche Bischof Sproll unternahm, mit den extrem antikatholischen Nationalsozialisten in Württemberg zurechtzukommen und woran er scheiterte. Mit Blick auf das Zweite Vatikanum werde die Frage aufgeworfen, wie eine schwäbische Provinzdiözese zu einem Teil der Weltkirche mit internationalen Projekten wurde.  

Der erste Band beschreibt die Entstehung und Entwicklung des religiösen Raums im Südwesten und schlägt, ausgehend von der Christianisierung durch irische Mönche am Bodensee, den Bogen bis in die Kaiserzeit. Dabei verweist die Neuerscheinung auf Grabfunde bei der Rottenburger Sülchenkirche, die belegen, dass der Ort seit dem 6. Jahrhundert als christlicher Friedhof dient. Laut Bischof Fürst weisen diese Funde darauf hin, dass es dort in der Vorgeschichte Rottenburgs ein Missionszentrum und ein politischen Zentrum eines großen alemannischen und karolingischen Herrschaftsgebiets gab. Bedeutende Persönlichkeiten wie Abt Hatto von der Reichenau und der heilige Meinrad, der Gründer des Klosters Einsiedeln, seien dem dortigen Adelsgeschlecht entsprungen. Der zweite Band behandelt die Geschichte der Diözese inmitten der Katastrophen des 20. Jahrhunderts und endet mit einem Kapitel, in dem Bischof Fürst auf die Entwicklung der Ortskirche im 21. Jahrhundert blickt. 

Die Neuveröffentlichung richtet sich an kein Fachpublikum sondern an alle historisch und theologisch Interessierten und sie ist allgemeinverständlich geschrieben. Entstanden sind die mit rund 1.500 Abbildungen, Plänen und Karten reich bebilderten Bände im Auftrag des Geschichtsvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart. "Die neue Diözesangeschichte steht auf der Höhe der Zeit – sie ist keine Bleiwüste, sondern ein ansprechend gestaltetes Werk, das in Haupt- und Begleittexten, aber vor allem auch in Bildern das Christenleben der Vergangenheit für heute erschließt“, sagt Claus Arnold, Vorsitzender des Geschichtsvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Das Werk sei aus der Mitte des Vereins heraus entstanden. „Die Herausgeber und Haupt-Autoren sind allesamt frühere oder heutige Mitglieder seines Vorstands. Insbesondere für das 20. Jahrhundert ergibt sich auf der Grundlage umfassender Quellenstudien ein neues Gesamtbild der Diözesangeschichte, das unseren Blick für die Herausforderungen der Gegenwart schärft", sagt Arnold. Herausgeber sind Professor Andreas Holzem vom Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und Wolfgang Zimmermann, ehemaliger Vorsitzender des Geschichtsvereins. Das zweibändige Werk erscheint in dem für Geschichtswissenschaft und Landeskunde renommierten Verlag Jan Thorbecke, in dessen Programm sich diese gleichermaßen innovative wie umfassende Darstellung der reichhaltigen Kultur und Geschichte christlichen Lebens sowie kirchlicher Institutionen im Südwesten Deutschlands aufs Beste einfügt.

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