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Rottenburg/Wernau. 10. Januar 2019. Insgesamt zwölf junge Leute aus sieben Ländern waren von der Diözese Rottenburg-Stuttgart im vergangenen Jahr eingeladen worden, ein Jahr im Rahmen des Weltkirchlichen Friedensdienstes (WFD) in der Diözese zu verbringen. Zehn von ihnen begannen ihren Dienst im September, zwei weiteren Freiwilligen aus Indien und Uganda wurde das Einreisevisum, trotz Einspruchs der Diözese, bis zuletzt verweigert.
Im Interview berichten die verantwortlichen Organisatoren, der geschäftsführende Referent der Hauptabteilung Weltkirche, Dr. Wolf-Gero Reichert, und die Leiterin des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Alexandra Guserle, über die Hintergründe.

Seit mehr als 35 Jahren gibt es den Weltkirchlichen Friedensdienst (WFD) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Gemeinsam ermöglichen die Hauptabteilung Weltkirche und der BDKJ jungen Erwachsenen ein Lern- und Begegnungsjahr in den Rottenburger Partnerdiözesen zu verbringen; in Lateinamerika, Afrika oder Asien. Seit einigen Jahren sind auch junge Menschen aus diesen Partnerländern im Rahmen des Reverse-WFD zu Gast in der Diözese.

Frau Guserle, was steckt hinter der Bezeichnung „Reverse-WFD“?

Alexandra Guserle: Reverse-WFD gibt jungen Menschen aus unseren Partnerdiözesen seit nun sechs Jahren die Möglichkeit zu einem Weltkirchlichen Friedensdienst in unserer Diözese. Zur Zeit kommen Freiwillige aus Mexiko, Argentinien, Peru und Brasilien, Bolivien, Uganda und Indien zu uns. Sie machen hier bei uns einen Freiwilligendienst, beispielsweise in einem Kindergarten oder einer kirchlichen Einrichtung, und leben in dieser Zeit hier in Gastfamilien.

Herr Reichert, die Erteilung von Visa für zwei junge Erwachsene aus Indien und Uganda wurde seitens der Deutschen Botschaften verweigert. Wie ist der Sachstand in dieser Angelegenheit?

Dr. Wolf-Gero Reichert: Bisher kam es zu keinen Einreiseschwierigkeiten. Erst seit 2018, als ugandische und indische Jugendliche für einen Reverse-Dienst eingeladen wurden, haben die deutschen Botschaften Visa verweigert. Besonders bedauerlich ist, dass die beiden weiblichen Bewerberinnen aus Indien und aus Uganda kein Visum erhalten haben, während die jungen Männer aus diesen Ländern problemlos einreisen durften. Die Begründung: Ihre Absichten seien unklar, die Motivation für einen Freiwilligendienst nicht glaubhaft.

Ist diese Begründung der Deutschen Botschaft für Sie nachvollziehbar?

Reichert: Die Aussage, dass gerade bei jungen Frauen die „Gefahr“ bestehe, dass sie nach ihrem Freiwilligendienst nicht zurückkehren könnten, ist beschämend und bezeichnend zu gleich. Vor allem für junge Frauen ist dies oft eine einmalige Chance. Im Hintergrund steht vermutlich das politische Projekt der Bundesregierung, unter dem Label „Fluchtursachenbekämpfung“ Migration nach Deutschland unterhalb einer bestimmten „Obergrenze“ zu halten. Aber anstatt Menschen aus Migrationsregionen Entwicklungs- und Lebensperspektiven zu eröffnen, werden diese offenbar gezielt enttäuscht. So werden keine Fluchtursachen bekämpft, sondern Menschen.

Frau Guserle, wie haben die aufnehmenden Gemeinden und die Gastfamilien auf die Einreise-Verweigerung reagiert?

Guserle: Die aufnehmenden Kirchengemeinden, Einsatzstellen sowie Gastfamilien sind sehr enttäuscht, dass nun keine Freiwillige zu ihnen kommt. Eine der Freiwilligen hätte ihren Einsatzort in einem Kindergarten gehabt. Auch die Kinder dort, die sich sehr auf diese internationale Begegnung gefreut haben, sind darüber sehr traurig. Durch den Rerverse-WFD ermöglichen wir internationale Begegnungen sowie einen interkulturellen Austausch und wenn dieser deshalb nicht stattfinden kann, da ein Visum aus oben genannten Gründen verweigert wird, sind alle nicht nur enttäuscht, sondern auch wütend.

Manuela Pfann – 10.01.2019

Zu den Person

Dr. Wolf-Gero Reichert (37) ist Theologe und geschäftsführender Referent der Hauptabteilung Weltkirche in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Alexandra Guserle (37) ist Sozialpädagogin und Mitglied der Diözesanleitung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und des Bischöflichen Jugendamtes (BJA) mit Sitz in Wernau.

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