Provisorium, Zugehörigkeit, Heimat Landjudentum in Schwaben – Lebensform und Wahrnehmung
Tagung in Stuttgart-Hohenheim
Seit sich der Begriff „Landjudentum“ etablierte, sind mehr als 30 Jahre vergangen. Heute dominiert er die Präsentation jüdischer Geschichte und Kultur im deutschen Südwesten, der sich nach den Austreibungen am Ende des Mittelalters zu einem Kernland jüdischer Niederlassungen entwickelte. Erst die im Zuge der Emanzipation errungene Niederlassungsfreiheit führte zur Neuentstehung jüdischer Gemeinden in den Städten. Die nationalsozialistische Verfolgung beendete die jüdische Existenzform im ländlichen Umfeld dann endgültig. Nach 1945 haben sich im Südwesten dauerhaft keine jüdischen Gemeinden auf dem Land mehr gebildet.
Auf der Tagung wollen wir zurückblicken und resümieren: Was hat sich in der Historiografie und in der Erinnerungskultur verändert, seit der Begriff geprägt wurde? Wie haben sich die Vorstellungen vom Zusammenleben von Juden und Christen im ländlichen Raum gewandelt? Was verraten uns gerade auch kirchliche Quellen über Alltag und Konflikt in historischen Landgemeinden? Wie verhalten sich die Erfahrungen von Schutzaufnahme und Ausgrenzung zueinander, wann und unter welchen Bedingungen entwickelte sich ein Gefühl der Zugehörigkeit? Welche Rolle spielen die Erfahrungen der Landjuden für die Konzeption eines gemeinsamen Erbes? Wie sind sie in die Konzeption einer Shared History eingeflossen? Welche Vorstellungen haben sich in den Gedenkstätten an Orten ausgelöschten jüdischen Lebens niedergeschlagen?
Unter dem Motto „Wissenschaft trifft Praxis“ wendet sich die Tagung explizit auch an Mitarbeitende von Gedenkstätten, Museen und Archiven. Auch Studierende sind willkommen.
Veranstaltet von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Kosten: ab 70,00 Euro
Anmeldeschluss: 28. Mai 2026
Dauer: bis 12. Juni 17:30 Uhr
