Tod und Trauer

Viel mehr als ein Gefühl des Schmerzes

Trauer ist ein Thema, das in unserer schnelllebigen Gesellschaft oft an den Rand gedrängt wird. Dabei ist sie ein natürlicher Teil unseres Lebens – ob durch den Verlust eines geliebten Menschen oder durch andere einschneidende Veränderungen. Und Trauer ist viel mehr als ein Gefühl des Schmerzes. Trauer kann uns überwältigen, lähmen, aber auch wachsen lassen: Sie zwingt uns, über die Vergänglichkeit des Lebens und den Sinn des Daseins nachzudenken; sie kann uns darin stärken, Mitgefühl zu zeigen, selbst Trost zu spenden, und sie kann uns in unserem Glauben stärken.

Informationen und konkrete Hilfen

Um dieses vielschichtige Thema in unterschiedlichen Facetten zu beleuchten, eröffnet die Redaktion in diesem Herbst einen redaktionellen Schwerpunkt. Über die kommenden Wochen und Monate hinweg soll bis ins kommende Jahr hinein eine Beschäftigung mit dem Thema „Trauer“ aus unterschiedlichen Perspektiven heraus erfolgen. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, möchten wir damit auch Informationen und konkrete Hilfen mit auf den Weg geben.

Mitfühlen, nicht Mitleiden

Andreas Steiner ist Seelsorger für Familien mit schwerkranken Kindern. Er besucht sie zu Hause und begleitet sie auch über den Tod hinaus.

Andreas Steiner arbeitet im PALUNA-Team mit – der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) für Kinder und Jugendliche des Universitätsklinikums Tübingen. Palliativ bedeutet nicht unbedingt, dass jemand bald stirbt – aber es bedeutet, dass es keine Heilungsmöglichkeiten gibt. Das Team aus medizinischem Fachpersonal, psychosozialem Dienst und Seelsorge kommt wöchentlich zu den Patientinnen und Patienten nach Hause – so können sie in ihrem vertrauten Umfeld bleiben. Außerdem gibt es Notfallnummern, unter denen jederzeit jemand erreichbar ist – eine große Entlastung für die Familien, kann Steiner bezeugen.

Er sieht es als großes Geschenk, dass er den Familien seelsorgerischen Beistand leisten kann. Zum Teil fährt der gelernte Kinderkrankenpfleger und Pastoralreferent für ein Gespräch über eine Stunde zu den Betroffenen. „Dass das von der katholischen Kirche bezahlt wird, ist purer Luxus“, erkennt er an.

Mehr über Andreas Steiner und seinen Besuch bei Liam Carl und Eva Franchina lesen Sie in der Reportage.

Trauerkultur in neunen Formen

Die heutigen Friedhöfe werden vielgestaltiger. Sie wollen nicht allein dem Wunsch nach einem Bestattungsplatz nachkommen.

Die Gräser auf den abgerundeten Grünflächen verfärben sich gelb und rot, die Gehölze werden kahler. Stelen ragen in die Höhe oder bemooste Findlinge sind zu entdecken. „Wir wollten von den Reihengräbern wegkommen“, sagt Ralph Gruber. Er führt auf den geschlungenen Wegen des Urnengrabfelds „Mein letzter Garten“. Nicht nur wegen dieser Anlage gilt der Friedhof in Langenburg (Landkreis Schwäbisch Hall) als ein Vorzeigebeispiel für den Wandel der Bestattungs- und Trauerkultur.

Gruber, gelernter Schreinermeister, ist seit fast 30 Jahren Bauhofleiter und für den kommunalen Friedhof zuständig. Arbeiten an den Gräbern habe er immer gemacht. „Ich bin der Mann, der auf dem Bagger sitzt“, sagt er. Vor einigen Jahren begann er damit, sich auch konzeptionell mit dem Friedhof zu beschäftigen.

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Jede und jeder ist willkommen

Der aus der Diözese stammende Militärdekan Martin Roth berichtet über den Umgang mit "Trauer" bei seinem Dienst im In- und Ausland.

Martin Roth ist Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Militärseelsorger bei der Bundeswehr in Rostock. Im Interview zum Thema "Trauer" berichtet er, wie ihm diese bei seinem Dienst für die Soldatinnen und Soldaten begegnet, welche Besonderheiten es bei der Militärseelsorge gibt und wie er deren Rolle in den kommenden Jahren sieht. 

Herr Roth, Sie sind katholischer Militärdekan in Rostock und stammen aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Wie ist heute noch Ihre Verbindung in den Süden?

Dank der sozialen Medien fühle ich mich einigermaßen über das Geschehen in der Diözese informiert. Bei drs.de schaue ich regelmäßig vorbei. Wegen der Entfernung zur Ostsee besuche ich nur alle paar Monate mal meine Heimat in Oberschwaben.

Wann geht es in Ihrer Arbeit für die Bundeswehr konkret um die Bewältigung von Trauer?

Immer wieder kommen Soldaten im Inland zu Tode, zum Beispiel durch Krankheit oder Unfälle. Wenn gewünscht, stehen wir Seelsorger den Angehörigen bei. Am Standort findet in aller Regel ein Gedenkappell statt, zu dem wir angefragt sind. Das gilt auch für die Auslandseinsatzgebiete der Bundeswehr. Bei einem Todesfall im Kosovo haben wir abends spontan ein Gebet angeboten. Es gab keine freien Plätze im Andachtsraum mehr.

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Begleitung auf der letzten Lebensetappe

Der Tod ist in einem Hospiz sehr präsent. Welche Rolle Seelsorge dabei spielen kann, zeigt die Startphase der neuen Einrichtung in Schwäbisch Hall.

Seit vergangenem Herbst werden Menschen im neuen stationären Hospiz in Schwäbisch Hall in der letzten Phase ihres Lebens betreut und begleitet. Dazu gehört auch ein seelsorgerliches Angebot. Das richtet sich nicht nur an diejenigen, die in der Einrichtung ihre letzten Lebenstage verbringen.

Gabriele Hüben-Rösch möchte auch den Beschäftigten des Hauses eine Möglichkeit schaffen, ihre Erfahrungen für sich bewusst zu verarbeiten. Hüben-Rösch hat zu ihrer Aufgabe als Krankenhausseelsorgerin die Seelsorge im neuen stationären Hospiz übernommen.

Das Konzept für die Seelsorge entwickelt sich parallel zu den Erfahrungen der Startphase. So fand zum Beispiel bereits eine Gedenkfeier statt, in der das Team des Hauses noch einmal für sich von den Verstorbenen Abschied nehmen konnte. Susanne Dutschmann, Palliative-Care-Pflegefachkraft, weiß das zu schätzen.

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Joachim musste nicht alleine gehen

Eine Religionsklasse der Grundschule Bad Wurzach besucht die örtliche Bestatterin und gestaltet eine Trauerfeier.

Joachim hatte keine Angehörigen. Als er mit 77 Jahren starb, war niemand da, der die Trauerfeier organisieren oder das Grab hätte pflegen können. Das Sozialamt ordnet in solchen Fällen eine anonyme Bestattung an. Die Urne wird in einem pflegefreien Grabfeld beigesetzt. Bei Joachims Beerdigung sang und betete jedoch eine bunte Kinderschar auf dem Friedhof. Die Schüler:innen warfen Blütenblätter in das kleine Erdloch und trafen sich anschließend zum traditionellen „Leichenschmaus“. Auslöser war die Lerneinheit „Tod, Trauer und christlicher Auferstehungsglaube“ im Religionsunterricht der 4. Grundschulklasse - und Lehrerin Bernadette Miller.

Miller ist ausgebildete Gemeindereferentin. Für sie ist Religion nicht trockene Theorie, sie muss erlebbar werden. Zu den sieben Werken der Barmherzigkeit, die Jesus am Ende des Matthäusevangeliums benennt, gehört auch Tote begraben. So organisierte sie zwei Termine für ihre Bad Wurzacher Religionsgruppe mit Bestatterin Cornelia Schuster. Zunächst lernten die jungen Besucher:innen den Ort kennen, wo Schuster trauernde Angehörige berät und wo diese Särge und Urnen für die Verstorbenen auswählen können. Eine Woche später erkundeten die Kinder mit ihr und Miller die Aussegnungshalle und den städtischen Friedhof der Kurstadt.

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Mit Herz und Glaube

Dekanatsreferent Hans-Peter Mattes und Trauerbegleiterin Ulrike Wolf berichten vom Umgang mit Verlust und wünschen sich eine offene Trauerkultur.

In Zeiten der Trauer fehlen oft die Worte. Dekanatsreferent Hans-Peter Mattes aus Tuttlingen und Trauerbegleiterin Ulrike Wolf aus Rottweil kennen das gut. Der 62-jährige Mattes war Klinikseelsorger, ist in der Notfallseelsorge des Landkreises Tuttlingen aktiv, initiierte mehrere Trauergruppen und engagiert sich mit Hand und Herz für das Hospiz beim Dreifaltigkeitsberg Spaichingen. „Für mich war Trauerarbeit immer ein Herzensanliegen und für uns als Kirche ist sie ungeheuer wichtig“, sagt Mattes, der 2025 sein 40-Jahr-Dienstjubiläum bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart begeht.

„Ich reiche Dir meine Hand"

Ehrlich sein und sagen: „Auch ich finde angesichts dieses Verlusts keine Worte“, sei im ersten Augenblick oft die einzig richtige Rückmeldung vom Umfeld an Hinterbliebene, gibt Wolf einen Blick in die Trauarbeit. Die 60-Jährige ist gelernte Krankenschwester für Intensiv- und Palliativpflege, ausgebildete Sozialarbeiterin und seit 2016 hauptamtlich in der kirchlichen Erwachsenenbildung tätig. Für die Dekanate Tuttlingen-Spaichingen und Rottweil hat sie seit 2019 eine 100-Prozent-Profilstelle für Trauerarbeit, die im vergangenen Sommer um fünf Jahre verlängert wurde.

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Alle in der gleichen Situation

Im Biberacher Trauerkreis können Betroffene offen über den Verlust eines lieben Menschen reden - und sie bekommen wertvolle Impulse.

Dieses Jahr war es für Manuela Wagner besonders schwer. Der zweite Todestag ihres Mannes fiel genau auf den Gumpigen Donnerstag. „Wo wir doch alle Fasnetshupen sind“, wirft sie ein und wischt sich die Tränen aus den Augen. Die beiden hatten sich in der fünften Jahreszeit kennen und lieben gelernt. Ausgelassen in großer Menge die Weiberfasnet zu feiern, passte für die Witwe nicht zum Jahrtag. Mit ihren Töchtern und den beiden Enkeln besuchte sie das Grab ihres Mannes. „Dann haben wir uns aber Berliner geholt und eine Kaffeerunde gemacht“, erzählt die 56-Jährige. So eine Aktion wäre anfangs undenkbar gewesen. „Im ersten halben Jahr habe ich nur funktioniert“, gesteht Wagner.

Neue Perspektiven und ganz praktische Anregungen im Umgang mit Trauer, das fand Manuela Wagner im Biberacher Trauerkreis. Zu den Ankomm-Ritualen gehöre es, die momentane Situation auf einem Gefühlsbarometer mit einer Skala von eins bis zehn einzuordnen. „Am Anfang stand ich bei zwei bis drei, jetzt bin ich bei sechs oder sieben“, verrät sie. Gemeindereferentin Renate Fuchs gehört zur Kontaktstelle Trauer der Dekanate Biberach und Saulgau in Kooperation mit der Caritas. Sie leitet den Kreis zusammen mit Ehrenamtlichen.

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Zwischen eigenen Gefühlen und fremden Gerüchten

Der ökumenisch organisierte Arbeitskreis Leben Heilbronn lässt junge Erwachsene, die um ein nahestehendes Suizidopfer trauern, nicht allein.

Trauer um einen geliebten Menschen ist eine schmerzhafte Erfahrung. Ein Suizid zwingt den Hinterbliebenen zusätzliche emotionale Bürden auf. Trauergruppen, die der Heilbronner Verein Arbeitskreis Leben (AKL) regelmäßig bietet, wollen in dieser Ausnahmesituation helfen – nun auch mit einem neuen Angebot.

Eine spezielle Trauergruppe begleitet junge Erwachsene im Alter von 18 bis 29 Jahren, die einen nahestehenden Menschen durch Suizid verloren haben. Von einem Herzensprojekt spricht Caroline Hesse, stellvertretende AKL-Leiterin. Basierend auf den Rückmeldungen aus den bisherigen Trauergruppen, wurde dieses Angebot speziell für junge Erwachsene entwickelt, wie sie erklärt.

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Was den Menschen heilig ist

Die Spiritualität hat inzwischen einen festen Platz in der hospizlichen Begleitung Sterbender - Interview mit Dr. Margit Gratz

Bevor in Filmen ein alter Mensch stirbt, kommt oft die ganze Familie zusammen. Die Enkel müssen draußen bleiben, die Erwachsenen klären mit dem oder der Sterbenden noch Differenzen aus der Vergangenheit. Manchmal beten sie zusammen ein Vaterunser oder den Rosenkranz. Ob diese Filmszenen der Realität entsprechen und welche Rolle Spiritualität in der Hospizarbeit spielt, darüber spricht Dr. Margit Gratz, Theologin und Kursleiterin für Palliative und Spiritual Care, im Interview.

Frau Gratz, viele Menschen wünschen sich beim Sterben einen Abschied zu Hause im trauten Familien- und Freundeskreis. Wie sieht die Wirklichkeit aus?

Die meisten Menschen sterben nicht zu Hause. Etwa die Hälfte aller, die jährlich in Deutschland sterben, verbringt die letzten Lebenstage in einem Krankenhaus. Nennenswert viele, etwa ein Drittel, stirbt in einem Alten- und Pflegeheim. Der Rest verteilt sich auf zu Hause, im Hospiz und andere Orte. Und natürlich gibt es noch den Anteil derer, die plötzlich sterben.

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