Zwischen Kuhstall und Kanzel
17. September 2026 um 14:00 - 19. September 2026 um 14:00
Während der heutige Bevölkerungsanteil in den Städten oder verdichteten Ballungsräumen bei etwa 78 Prozent liegt, lebten noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis zu 90 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, in einer für viele weitgehend abgeschlossenen ‚Welt‘. Das Leben war agrarisch geprägt, in existentieller Weise abhängig von Witterung, Arbeitskraft und – spätestens mit dem Anwachsen der Bevölkerung – von der Verfügbarkeit des für den Lebensunterhalt ausreichenden Bodens. Eine bedeutende Rolle spielten in dieser ‚bedrohten Welt‘ Glaube, Religion und Kirche, verkörpert in der Person des Pfarrers, der oft als einziger des Dorfes nicht aus der näheren Umgebung stammte und über ein gewisses – mitunter sogar bedeutendes – Maß an Bildung verfügte.
Der Pfarrer – ein Fremdkörper im Dorf, der sich selbst in der Literatur zu einem besonderen ‚Typus‘ verfestigt hat? Wie sahen Leben und Arbeiten des ‚Landpfarrers‘ im Unterschied zu seinen Berufsgenossen in den Städten aus? Welche Bedingungen fand er beim Antritt seines Postens vor, welchen Herausforderungen hatte er sich zu stellen, welche Möglichkeiten des Wirkens besaß er? Veränderten sich im Lauf der Jahrhunderte mit den politisch-gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und theologischen Rahmenbedingungen auch die Realität – und die Wahrnehmung – des Seelsorgers im ländlichen Raum?
Die Forschungsliteratur zur Lebens- und Alltagswirklichkeit des katholischen Klerus ist überschaubar. Die besondere Situation im dörflichen Umfeld wird selten fokussiert, weil sie ‚zu gewöhnlich‘ und die Quellenlage dürftig scheint. Zudem hat ihre Bedeutung in dem Maße abgenommen, in dem sich im Prozess der Urbanisierung, des eklatant anwachsenden Priestermangels und des damit verbundenen Rückzugs der Kirche aus der Fläche ein fundamentaler Wandel vollzog.
Die gemeinsame Tagung des Geschichtsvereins und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart stellt den ‚vergessenen‘ Landpfarrer in den Mittelpunkt der historischen Betrachtung. Es geht um den zwischen Früher Neuzeit und Gegenwart sich vollziehenden Wandel und um die verschiedenen Aspekte der Berufs- und Alltagsbiographie des Geistlichen im ländlichen Raum.
Paracelsusstraße 91
70599 Stuttgart
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