Vortrag und Gespräch: Klage als biblische Gebetsform
Die Bibel kennt beides – und unterscheidet scharf. In der Wüste murren die Israeliten gegen Mose und gegen Gott, und die Strafe folgt auf dem Fuß. Andererseits schreit Hiob Gott seine Verzweiflung entgegen, die Propheten ringen mit ihm, und die Psalmen kennen die Klage als eigene Gebetsform. Biblische Klage ist kein Zeichen mangelnden Glaubens, sondern ein Akt tiefen Vertrauens: Sie hält Gott das ganze Leid, die Wut, die Angst und die offenen Fragen hin – und rechnet damit, gehört zu werden.
Der Vortrag am Freitag, 2. Oktober, lädt dazu ein, diese oft vergessene biblische Gebetsform neu zu entdecken: im Unterschied zwischen der Klage und dem bloßen Beklagen, und wie die Klage das eigene Leid vor Gott auszusprechen lehrt, statt darin gefangen zu bleiben. Denn am Ende der biblischen Klage steht nicht Resignation, sondern neue Hoffnung, Freude und Zuversicht. Die Referentin Therese Gerstner ist Theologin mit Schwerpunkt Bibelwissenschaften. Sie schreibt eine Doktorarbeit über die Bewältigung von Leid im Lukasevangelium und kennt das Thema aufgrund längerer Erkrankung.