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Weltweite Kontakte

So engagiert sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist nicht nur Teil der Weltkirche, sondern versteht sich als aktiver Knotenpunkt in einem weltkirchlichen Netzwerk. Sie pflegt Kontakte zu Partnerdiözesen in über 80 Ländern weltweit. Mehr als jede zweite Kirchengemeinde in der Diözese hat eine internationale Partnerschaft. Viele Priester, Ordensleute, Fachkräfte und junge Menschen im Weltkirchlichen Friedensdienst machen diesen Austausch hier in der Diözese und in Partnerdiözesen lebendig und stärken so wechselseitig die Beziehungen. Weltkirche ist durch Migration und Austausch auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart präsent. Dies bietet viele Chancen und Bereicherungen für die Kirche in Württemberg, von denen es noch viel mehr zu profitieren gilt.

Breite Solidarität

Unterstützung in vielen Bereichen

Solidarität bedeutet: füreinander einstehen. Als katholische Kirche in einem wohlhabenden Land unterstützt die Diözese Rottenburg-Stuttgart Partnerdiözesen in Ländern des globalen Südens. Dabei geht es nur selten um den Bau von Kirchen, sondern oft um das gesellschaftliche Engagement dieser Schwesterkirchen. Schließlich ist die katholische Kirche weltweit gesehen der größte, nicht-staatliche Akteur in der Flüchtlingshilfe, im Bildungswesen und in der Gesundheitsarbeit. Auch in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaschutz gilt die Kirche in vielen Ländern als Vorreiterin.

Verbindungen auf allen Kontinenten

Das sind die wichtigsten Partnerländer

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart pflegt Partnerschaften in über 80 Ländern auf allen Kontinenten. Besonders wichtige Partnerländer sind Argentinien, wo sich mit Santiago del Estero die älteste Partnerdiözese befindet, Indien, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Guatemala, das baden-württembergische Partnerland Burundi, der Irak sowie die Ukraine.

Beispiele für Projekte

Hilfe für die Kirche vor Ort

Projekte werden immer von den Partnerdiözesen selbst vorgeschlagen – alles andere hätte eine koloniale Schlagseite. Jedes Projekt hilft der Kirche vor Ort, besser ihren Auftrag zu erfüllen. Das kann etwa durch die Unterstützung bei der Ausbildung von ehrenamtlichen Gemeindeleitern geschehen, durch die Installation einer Solaranlage zur sauberen und unabhängigen Energieversorgung oder durch die Finanzierung von Traumatherapeuten, die Opfern von Krieg und Vertreibung einen Weg zurück ins Leben eröffnen.

  • Gemeindepartnerschaft: Chachapoyas – Dunningen

    Die Partnerschaft zwischen den Kirchengemeinden Dunningen, Seedorf und Lackendorf und der Diözese Chachapoyas in Peru ist weit mehr als ein entwicklungspolitisches Projekt. Sie ist ein Band der Freundschaft, das seit nunmehr mehr als vier Jahrzehnten hält und trägt.

    Zahlreiche Projekte in Pfarreien, Schulen, Internaten und sozialen Einrichtungen konnten in dieser Zeit durch Spenden aus Dunningen realisiert werden. Neben Nothilfe- und Entwicklungsprojekten ist der Schwerpunkt dieser Arbeit die Bildung – mit dem Ziel, durch eine gute Ausbildung möglichst vielen Menschen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

    Konsequent engagieren sich die Aktiven auch hier: Mit Bildungsangeboten, Vorträgen und dem Eine-Welt-Camp für Jugendliche. Nicht zuletzt deshalb sind alle drei Kirchengemeinden von der Diözese als „Faire Gemeinden“ ausgezeichnet worden.

    Ein besonderer Schatz dieser Verbindung sind die über 70 Weltkirchlichen Friedensdienstler:innen, die seit den 1980er Jahren in Chachapoyas tätig waren – junge Menschen, die mindestens ein Jahr lang mitgelebt, mitgearbeitet und das Leben der Alianza mitgetragen haben. Ihre Erfahrungen prägen bis heute das Bewusstsein der Partnerschaft.

  • Bildungsprojekt: IGER

    IGER ist die Abkürzung von Instituto Guatemalteco de Educación Radiofónica. Das ist – kurz gesagt – eine Radioschule für junge Menschen in den ländlichen Regionen Guatemalas. IGER wurde von 2026 bis 2028 als Schwerpunktprojekt für die Förderung durch die Stiftung Weltkirche in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ausgewählt.

    Der aus Deutschland stammende Priester Franz von Tattenbach SJ hatte IGER 1979 mit Unterstützung u. a. der Rottenburger Ordinariatsrätin Gabriele Miller gegründet – mit dem Ziel, benachteiligten jungen Menschen in den ländlichen Regionen Guatemalas – vor allem auch aus der indigenen Bevölkerung – eine Schulbildung zu vermitteln und sie zu einem Abschluss zu führen, um ihnen berufliche und persönliche Wege für ihr weiteres Leben zu eröffnen. Das betrifft besonders die indigene Bevölkerung der vier größten in Guatemala lebenden Maya-Ethnien, deren Rechtlosigkeit und Marginalisierung sich seit der Kolonialzeit faktisch wenig verändert hat.

    „El Maestro en Casa“ heißt das Programm, bei dem der Lehrer über Medien ins Haus kommt, wenn die Schülerinnen und Schüler nicht regelmäßig zur Schule kommen können – sei es, weil sie in abgelegenen Orten in den Bergen leben, sei es, dass aus sozialen Gründen die öffentlichen Schulen keine Option für sie sind. Stand früher das Radio im Zentrum, werden zunehmend digitale Medien genutzt. Hunderttausende Jugendliche, aber auch bereits erwachsene Frauen und Männer haben in den über 45 Jahren, die seither vergangen sind, über IGER die Chance einer Schulbildung bekommen und genutzt. Viele konnten später sogar ein Hochschulstudium absolvieren – und von diesen wiederum sind nicht wenige zurückgekommen, um ihrerseits nachfolgende Generationen von Schülerinnen und Schülern auf ihrem Weg zu einem Schulabschluss zu unterstützen.

    Schätzungen zufolge sind in Guatemala, dessen Bevölkerung etwa 18 Millionen zählt rund 2 Millionen schulpflichtige Kinder und Jugendliche aus dem Bildungssystem ausgeschlossen Die gesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung von IGER kann unter diesen Voraussetzungen nicht hoch genug eingeschätzt werden.

    Heute unterhält IGER über ganz Guatemala verteilt 26 Studienzentren, aufgeteilt auf vier Sektoren, in denen sich die Studierenden immer wieder zu Präsenzphasen und zu Prüfungen treffen, und etwa 600 Studienkreise vor Ort, in denen sich die jungen und auch bereits erwachsenen Leute jeden Samstag sechs Stunden lang treffen, um sich gemeinsam mit ausgebildeten Lehrkräften über das zuhause Gelernte auszutauschen oder sich bei Problemen helfen zu lassen. Das Zentrum ist in Guatemala Stadt.

    Derzeit werden jährlich etwa 12.500 Schülerinnen und Schüler durch IGER erreicht. Vor der Corona-Pandemie waren es rund 16.000. Für viele junge Menschen hatte die in der Pandemie verschärfte Not, den Lebensunterhalt zu bestreiten, das Thema Schulbildung in den Hintergrund treten lassen.

  • Mithradham: Oase der Schöpfungsspiritualität und Technik-Hub

    Wer mit dem Flugzeug in Cochin, Indien,  landet, wird oft geblendet von den tausenden Solarzellen, welche den Flughafen zum ersten weltweit machen, der vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Nur die Eingeweihten wissen, dass dieses ökologische Vorzeigeprojekt auf das Wirken von Pater Dr. George Peter Pittapillil CMI zurückgeht, der in der Nähe ein Zentrum für erneuerbare Energien gegründet hat. Dieses Zentrum namens Mithradham wurde im Jahr 2000 mit Unterstützung der Europäischen Union, des Kindermissionswerkes und der Diözese Rottenburg-Stuttgart aufgebaut.

    Mithradham ist eine Oase der Schöpfungsspiritualität und ein Technik-Hub. Es finden dort ökologische Exerzitien genauso wie Schulungen in erneuerbaren Energien statt. Für Schulklassen wurde ein schöpfungsgeschichtlicher Rundgang eingerichtet, der mit „Bye fossil, hi renewable“ überschrieben ist und an Lernstationen – gesäumt von fruchttragenden tropischen Bäumen – verdeutlicht, wie menschliche Kreativität und Gottes Schöpfungshandeln zusammenwirken.

    Mittlerweile hat sich rund um Mithradham ein Netzwerk von 1500 Forschungseinrichtungen und Unternehmen gebildet, das sich der Förderung der Solarenergie verschrieben hat. Sehr viele kirchliche Einrichtungen in Kerala haben das mittlerweile erkannt und nutzen intensiv diese „himmlische Energie“.

  • Caritas Goma: Rettung von Kindersoldaten

    Im Osten der Demokratischen Republik Kongo tobt seit Jahrzehnten ein (Bürger-)Krieg zwischen dem regulären Militär und etwa 120 Rebellengruppen. Für die Bevölkerung sind Gewalt, Unsicherheit, Unterernährung und Vertreibung Alltag: Allein in den östlichen Provinzen Ituri, Nord- und Südkivu gibt es mehr als fünf Millionen (Binnen-)Vertriebene. Die katholische Kirche gilt als eine der letzten Organisationen, die vor Ort präsent ist und eine gewisse Ordnung aufrecht erhält.

    Die Verschleppung und Rekrutierung von Kindersoldat:innen gehören zu den schlimmsten Verbrechen. Viele Jugendliche sind mit dem Krieg großgeworden, sind selbst verschleppt worden und haben Krieg als Handwerk erlernt.

    Entgegen den allgemeinen Vorbehalten ist die Caritas der Diözese Goma vor Ort der Überzeugung: Kindersoldat:innen sind selbst Opfer, sie brauchen Hilfe, um ins zivile Leben zurückzufinden. Seit Jahren führt sie mit Unterstützung von Caritas international und der Diözese Rottenburg-Stuttgart Programme zur Prävention, zum Schutz und zur Reintegration von Kindersoldat:innen durch.

    Die Caritas stützt sich dabei auf einen doppelten Ansatz, der den Austritt, die Betreuung und die Rückführung von Kindern, die rekrutiert wurden, abdeckt, aber auch mit der schulischen und sozioökonomischen Wiedereingliederung durch die Ausbildung in Berufen verbunden ist. Im Idealfall gelingt es, ehemalige Kindersoldat:innen mit ihren Familien und ihren Gemeinden zu versöhnen.

    Caritas Goma hat mit Unterstützung von Caritas international und der Diözese Rottenburg-Stuttgart bereits Hunderten von Kindersoldat:innen einen Weg zurück ins Leben geebnet.

  • Weltkirchliches Engagement in Zahlen

    Im Jahr 2025 waren 95 Fachkräfte aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Partnerdiözesen in 31 Ländern eingesetzt, die Mehrheit von ihnen Ordensschwestern, aber auch (Ordens-)Priester und Entwicklungsfachkräfte. Umgekehrt leisten Priester und Ordensfrauen der Weltkirche einen Dienst in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

    Im selben Jahr haben 37 junge Menschen einen einjährigen Weltkirchlichen Friedensdienst in Übersee geleistet, während 18 Reverse-Freiwillige aus Partnerdiözesen für einen Dienst in die Diözese Rottenburg-Stuttgart gekommen sind.

    Über 700 Partnerschaften werden aus den Kirchengemeinden, Ordensgemeinschaften und Verbänden der Diözese Rottenburg-Stuttgart in viele Länder weltweit gepflegt.

    Im Jahr 2025 wurden 439 Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von 12.117.607 Euro unterstützt. Davon flossen 5,59 Mio. Euro in afrikanische Länder, 3,69 Mio. Euro nach Asien und Ozeanien, 1,59 Mio. Euro nach Lateinamerika und 1,24 Mio. Euro in Länder Ost- und Südosteuropas. Die wichtigsten Förderbereiche waren:

    • Weltkirchliche Flüchtlingshilfe: 4,44 Mio. Euro
    • Erneuerbare Energien: 1,53 Mio. Euro
    • Aufbau kirchlicher Infrastruktur: 1,28 Mio. Euro
    • Gesundheits- und Sozialarbeit: 1,14 Mio. Euro

So können Sie unterstützen

Spenden, Gastfamilien und Einsatz für globale Fairness

Obwohl die Diözese Rottenburg-Stuttgart einen beträchtlichen Anteil ihrer Kirchensteuer für die weltkirchliche Arbeit zur Verfügung stellt, können nicht alle beantragten Projekte unterstützt werden. Mit einer Spende an die Stiftung Weltkirche können Sie helfen, dass noch mehr gute Projektideen von kirchlichen Partnern weltweit verwirklicht werden können und damit den Menschen zugutekommen.

Die Weltkirchlichen Friedensdienste ermöglichen jungen Erwachsenen einen einzigartigen Lerndienst auf einem anderen Kontinent. Für Freiwillige aus Südamerika, Afrika und Asien suchen wir immer kirchliche Einsatzstellen und Gastfamilien.

Der Lebensstil der Länder des globalen Nordens führt zu Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in vielen Partnerländern. Sie können sich für mehr Fairness einsetzen, indem Sie beispielsweise mit dem internationalen katholischen Hilfswerk missio ein Handypfand fordern oder sich als Kirchengemeinde in der Initiative Faire Gemeinde engagieren.