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Rottenburg. Angesichts von immer mehr Klimaflüchtlingen weltweit spricht sich Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, für die Einführung eines neuen „Nansen Passes“ unter dem Dach der Vereinten Nationen (UN) aus. Die UN-Mitgliedsstaaten, die für die Erderwärmung und für die Klima-Migration hauptsächlich verantwortlich sind, sollten denjenigen eine Heimat geben, deren Erde verbrennt oder deren Länder fortgespült werden, sagt der Bischof.

Fürst verweist darauf, dass Klimaflüchtlinge keine Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention sind und ihnen auch das Asylrecht in Deutschland keinen Schutz gewährt. Dabei stehe ihr Schicksal für eine humanitäre Tragödie globalen Ausmaßes und immenser Größenordnung. Vorsichtige Berechnungen gingen von rund 2,2 Millionen Klimaflüchtlingen im Jahr 2018 aus und laut Weltbank werde deren Zahl bis 2050 auf über 140 Millionen Menschen steigen; 85 Millionen aus Subsahara-Afrika, 40 Millionen aus Südasien und 17 Millionen aus Lateinamerika. „Ein moderner Nansen-Pass würde es den neuen Staatenlosen ermöglichen, sich in einem Land niederzulassen, in dem sie wieder Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben haben“, sagt der Bischof. Daher unterstütze er den Vorschlag von Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, nach Einführung eines neuen „Nansen-Passes“. Der ursprüngliche Nansen-Pass geht dabei auf eine Idee des Norwegers Fridtjof Nansen zurück, der nach dem Ersten Weltkrieg Hochkommissar für Flüchtlingsfragen beim Völkerbund war.

Wer die Dinge ehrlich betrachtet, wisse, dass die Bewohner der westlichen Wirtschafts- und Industrienationen in ganz erheblichem Ausmaß zu den klimatischen Veränderungen beitragen und nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, daran etwas zu verändern, sagt Fürst. Vom Klimawandel betroffen seien zumeist die Armen in den Ländern des Südens. Über sie schreibe Papst Franziskus in der Enzyklika „Laudato si“:  „Die Mittel für Ihren Lebensunterhalt hängen stark von den natürlichen Reserven und den ökosystemischen Betrieben wie Landwirtschaft, Fischfang und Waldbestand ab. Sie betreiben keine anderen Finanzaktivitäten und besitzen keine anderen Ressourcen, die ihnen erlauben, sich den Klimaeinflüssen anzupassen oder Katastrophen die Stirn zu bieten, und sie haben kaum Zugang zu Sozialdiensten und Versicherung.“ Leider herrsche jedoch eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber diesen Tragödien und dies sei Zeichen für den Verlust jenes Verantwortungsgefühls, auf das jede zivile Gesellschaft gründe.
Bischof Fürst möchte dieser Verantwortungslosigkeit mit seinem Vorstoß ein Zeichen entgegensetzen. „Nansen wusste noch nichts von der globalen Tragödie, die der Klimawandel immer mehr bewirkt. Er gab mit seiner Initiative eine konkrete Antwort auf die Not seiner Zeit. Aber seine Initiative kann Vorbild und Namensgeber für die Antwort sein, die in unserer Zeit dringend geschuldet ist“, sagt der Bischof. Und weiter: Schellnhuber habe mit seinem Vorschlag einen Stein ins Wasser geworfen. „Die Wellen, die er auslöst, mögen viele als unangenehm empfinden. Ich möchte dazu beitragen, dass diese Wellen sich weiter ausbreiten und viele verantwortungsbewusste Menschen und politisch Verantwortliche erreichen.“

Hintergrund:

Namensgeber für den 1922 eingeführten Nansen-Pass war der Polarforscher und spätere Diplomat Fridtjof Nansen aus Norwegen. Der nach seinem Initiator benannte Pass entstand als Reaktion auf das Schicksal der Menschen, die im Zuge der Russischen Revolution und der Massaker an den Armeniern zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen mussten und denen die Staatsangehörigkeit aberkannt worden war. Das Ausweis- und Reisedokument ermöglichte ihnen die Einreise in die Mitgliedsstaaten des Völkerbunds, der Vorläuferorganisation der Vereinten Nationen. Berühmte Inhaber des Passes waren beispielsweise Marc Chagall, Vladimir Nabokov oder Robert Capa. 1922 erhielt Nansen den Friedensnobelpreis. 

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