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Eine derartige Verteilungspolitik von Kosten und von Lebenschancen verschärfe Konflikte, gefährde den Frieden und zerstöre gesellschaftliche Stabilitäten. Dies hat Professor Klaus Töpfer, Gründungsdirektor des 2009 gegründeten Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit in Potsdam, beim Jahresempfang der Katholischen Bischöfe in Baden-Württemberg am Dienstag, 24. November, betont. Der langjährige Bundesumwelt- und –bauminister und spätere Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi sowie Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen sprach im Weißen Saal des Stuttgarter Neuen Schlosses vor Mitgliedern des Landtags und der Landesregierung mit Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Landtagspräsident Peter Straub, Mitgliedern der Kirchenleitungen der beiden katholischen Diözesen und der evangelischen Landeskirchen sowie zahlreichen Gästen aus dem kirchlichen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben.

Dass sich 94 Prozent des Welteinkommens auf 40 Prozent der Bevölkerung verteilten, während 60 Prozent mit sechs Prozent des Welteinkommens auskommen müssten, sei „keine Formel für den Frieden“, sagte Töpfer. Zwar werde der Wohlstand der hoch entwickelten Länder hoch subventioniert, aber die sozialen und ökologischen Kosten des Wohlstands würden aus der Kalkulation ausgeklammert. Sie würden den Kindern und Enkeln zur Bezahlung auferlegt und auf andere Regionen dieser Welt, besonders auf die Ärmsten der Armen, abgewälzt. Dies,  so Töpfer, verstärke die Gefährdung des Friedens entscheidend.

Die mutwillig herbeigeführte Finanz- und Wirtschaftskrise offenbart sich nach den Worten Töpfers als ein Offenbarungseid der Kurzfristigkeit und als Bankrott einer egoistischen Verhaltensweise, die mit dem Ziel aktuelle Gewinne und individueller Einkommen rücksichtslos die Zukunft ausblende. Dagegen plädierte er für Nachhaltigkeit als Signal für die Verantwortung für die Zukunft und für eine „Vollkostenrechnung des jeweiligen Wohlstands“. Habe Papst Paul VI. im Jahr 1967 betont, Entwicklung sei der neue Begriff für Frieden, so müsse man heute vor dem Hintergrund einer Welt mit bald neun Milliarden Menschen weiterführend sagen: „Nachhaltige Entwicklung ist der neue Begriff für Frieden“.

Als „Eckpunkte einer tragfähigen Friedenspolitik in der Globalisierung unserer Zeit“ nannte Töpfer: Verantwortung übernehmen, das Diktat der Kurzfristigkeit überwinden und Wegwerfmentalitäten beseitigen. Die Subventionierung des eigenen Wohlstands deutlich zu erkennen, sei eine grundlegende Voraussetzung dafür, die Abwälzung auf künftige Generationen und auf Armutsregionen abzubauen und die Vollkosten des Wohlstands zu bezahlen. Dazu, so Töpfer, sei kein „Paradigmenwechsel“ erforderlich. Wer die Botschaft des christlichen Glaubens ernst nehme und die damit verbundene Verantwortung für sich gelten lasse, leiste Beiträge zur Friedenspolitik. „Diese Welt ist und bleibt friedensfähig“, schloss Töpfer mit einem ermutigenden Ausblick. Sie biete auch neun Milliarden Menschen eine sichere Grundlage für ein Leben in Würde. Auch tiefere Einblicke in die Bausteine der Natur würden neue Lösungswege für die Zukunftsaufgaben eröffnen. Die Verantwortung im Umgang mit diesem Wissen werde zum Lackmustest für Stabilität und Frieden, betonte Töpfer.

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Nachhaltigkeit gehört nach Überzeugung von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (Freiburg) für die Kirche zu den wichtigsten Themen. "Die Bewahrung der Schöpfung ist Gottes Gebot. Sie ist die Basis, auf der alles Leben und Wirtschaften aufbaut. Wir haben nur dann eine Zukunft, wenn wir sorgsam und verantwortungsvoll mit ihr umgehen", betonte der Erzbischof in seiner Begrüßungsansprache. Dieses Anliegen werde von den großen Kirchen im Land in vielfältiger Weise ins Praktische umgesetzt. Zollitsch verwies auf das Umwelt-Engagement der evangelischen Landeskirchen, der Diözese Rottenburg-Stuttgart und auch der Erzdiözese Freiburg, wo sich bereits mehr als 500 Gemeinden an einer "Energie-Offensive" beteiligen. Viele Beispiele aus allen Regionen des Landes zeigten, "wie wichtig und ermutigend es ist, die Schritte, die nötig sind zur Bewahrung der Schöpfung, nicht nur zu formulieren, sondern beherzt umzusetzen".
 
Der Begriff der "Nachhaltigen Entwicklung" stammt nach den Worten des Erzbischofs von Freiburg eigentlich aus dem frühen 18. Jahrhundert und befasste sich zunächst mit der Nutzung der Wälder, die nur vorausschauend bewirtschaftet eine Zukunft haben. Der Vortrag von Professor Klaus Töpfer mache deutlich, wie sehr dieser Begriff inzwischen alle Lebensbereiche umfasse und damit nicht zuletzt auch das Leben der Kirche betreffe, sagte Zollitsch. Töpfer gehöre zu jenen Persönlichkeiten, die von Politikern aller Parteien, von Wissenschaftlern und Kulturschaffenden gleichermaßen anerkannt werden - "als ernsthafter Mahner zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung, als Garant einer friedlicheren Zukunft". Solchen Persönlichkeiten sei es zu verdanken, dass nicht immer nur das "Wachstum um jeden Preis" das politische und wirtschaftliche Gebot der Stunde sei. Auch der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung betrachte das Prinzip der Nachhaltigkeit als ein Postulat, vor dem sich das wirtschaftliche und finanzielle Wachstum rechtfertigen müsse.

Töpfer habe den beiden südwestdeutschen Diözesen in ihren Anstrengungen den Rücken gestärkt, mit der Bewahrung der Schöpfung ernst zu machen, betonte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, in seinem abschließenden Dankeswort. Die Erzdiözese Freiburg und die Diözese Rottenburg-Stuttgart setzten dieses Anliegen ebenso wie die beiden evangelischen Landeskirchen in ambitionierten Initiativen in konkretes Handeln um.  So habe die Diözese Rottenburg-Stuttgart jüngst eine Zweijahresbilanz ihrer interdisziplinären Klima-Initiative veröffentlicht. Die konsequente ökologische Weiterentwicklung und energetische Ertüchtigung des vorhandenen Gebäudebestands als ein Bestandteil dieser Initiative sei gleichermaßen eine Absage an kurzfristiges Denken wie an eine Wegwerfmentalität. Verantwortung für eine Zukunft in Frieden nehme die Diözese über ihre Anstrengungen im ökologischen Bereich hinaus aber zum Beispiel auch mit ihrem  seit über 40 Jahren bestehenden weltkirchlichen Engagement wahr. Jährlich würden dafür rund 25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Von dem politischen Ziel, dass jede Generation ihre Bedürfnisse so befriedige, dass die nachfolgenden Generationen dadurch nicht gefährdet sind, sei man in der konkreten Realität insgesamt noch weit entfernt, betonte Bischof Fürst.  Der bevorstehende Weltklimagipfel in Kopenhagen gebe allen Anlass zu äußerst kritischer Aufmerksamkeit. Dazu werde er sich im Vorfeld nachdrücklich öffentlich äußern.

Dr. Thomas Broch

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