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So schwer es sei, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen, so sinnvoll sei es auch, ihnen nicht auszuweichen und rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Dies hat Bischof Gebhard Fürst auf einer Veranstaltung über „Christliche Patientenvorsorge/Patientenverfügung“ betont, zu der der Esslinger CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel und die Kolpingsfamilie Esslingen am Montagabend, 24. Oktober, in den Salemer Pfleghof in Esslingen eingeladen haben. Bischof Fürst stellte dabei die „Christliche Patientenvorsorge“ vor, die die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) in neuer Bearbeitung als Reaktion auf das am 1. September 2009 in Kraft getretene Patientenverfügungsgesetz herausgegeben hat. Auf politische, rechtliche und praktische Fragen ging Markus Grübel ein, der auch die Diskussion mit den zahlreich erschienenen Zuhörern moderierte.

Nach christlichem Verständnis vom Menschen gelte unverbrüchlich, dass menschliches Leben Gottes Geschenk sei. Es könne keine pauschal zu benennenden Phasen des Sterbeprozesses geben, an denen das Leben eines Menschen aus eigener Sicht oder aus der Sicht Dritter nicht mehr erhaltenswert sei. Das schließe jedoch die Vorsorge für die Umstände des eigenen Lebensendes nicht aus.

Das neue Dokument der Kirchen, so Bischof Fürst, sei eine Patientenvorsorge in umfassendem Sinn und unterscheide sich dadurch von der 1999 erstmals veröffentlichten „Patientenverfügung“ der Kirchen. Entscheidend sei, dass der Wille eines entscheidungsfähigen Menschen für den Fall zum Ausdruck komme, dass er aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung nicht mehr entscheidungsfähig und außer Stande sei, seinen eigenen Willen zu äußern. So werfe die fortschreitende Ausweitung medizinischer Möglichkeiten die Frage auf, ob es in jeder Lebensphase gleichermaßen geboten sei, alle Möglichkeiten zur Lebenserhaltung auszuschöpfen und mit der Lebensverlängerung auch eine belastende Verlängerung des Sterbeprozesses in Kauf zu nehmen. Auch die Alternative, trotz medizinischer Risiken in vertrauter Umgebung oder aber auf der Intensivstation zu sterben, gehöre zu den Fragen, die eine rechtzeitige Entscheidung verlangten. Solche Fragen lassen sich nach den Worten des Bischofs nicht immer allgemein beantworten. Auch sei möglicherweise im konkreten Einzelfall nicht nur eine einzige Möglichkeit als christlich zu bewerten. Die Entscheidung müsse letztlich aus der konkreten Situation des sterbenden Menschen heraus und in Übereinstimmung mit seinen Wünschen getroffen werden. 

Bischof Fürst wies darauf hin, dass an die Seite der Selbstbestimmung bei der Vorsorge für den eigenen Sterbeprozess auch die Mitverantwortung anderer Menschen trete. Es sei daher gleichermaßen wichtig, einerseits die ärztlichen Maßnahmen im Sinne einer vorweggenommenen Entscheidung genau zu beschreiben, und andererseits sorgfältig zu prüfen, welche Person des Vertrauens mit der Umsetzung dieser Entscheidung betraut werden solle. Mit der expliziten Stärkung der Vorsorgevollmacht solle der Aspekt des Vertrauens gestärkt werden, der für das dialogische Annähern an die Grenze des Todes von außerordentlicher Wichtigkeit sei, so der Bischof.

Die Zusammenarbeit zwischen den christlichen Kirchen sei bei dem elementaren Thema der christlichen Sterbevorsorge vorbildlich gewesen, betonte Bischof Fürst. Es sei nicht selbstverständlich, dass man zu gemeinsamen Formulierungen dazu komme, welche praktischen Konsequenzen sich aus der christlichen Sicht Menschen ergeben.

Dr. Thomas Broch 

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