Weltkirche

Ausgesandt als Wegbegleiter und Lernender

Pfarrer Bernhard Schmid - Foto: drs/Markus Waggershauser

Priester der Diözese geht ins Partnerbistum Santiago del Estero im Nordwesten Argentiniens

Trotz Priestermangels in den deutschen Kirchengemeinden schickt die Diözese Rottenburg-Stuttgart einen ihrer Geistlichen im Januar 2020 für zunächst drei Jahre ins argentinische Partnerbistum. Markus Waggershauser hat Pfarrer Bernhard Schmid vor seinem Abschied in Rechberghausen besucht.

Die Straßen sind wie leergefegt, die Fensterläden und Jalousien fest verschlossen - auch am Pfarrhaus. Die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel, als Bernhard Schmid die Tür öffnet und in seine schattige Wohnung bittet. Seit 2006 leitet der Priester die Seelsorgeeinheit "Unterm Staufen" im Nordwesten des Dekanats Göppingen-Geislingen.

Im Januar wechselt er als Pfarrer in die Diözese Santiago del Estero im Nordwesten Argentiniens. Dort herrschen im Dezember und Januar ähnlich heiße Temperaturen. "Das wird kein Urlaub", betont der 54-Jährige. Die Region ist trocken und nicht sonderlich fruchtbar. Sie gilt als Armenviertel des südamerikanischen Staates, der so groß ist wie ganz Europa. Die Folgen sind Landflucht, Jugendarbeitslosigkeit und Kriminalität. „Hier ist Bildungsarbeit wichtig, damit junge Menschen wieder eine Perspektive haben“, erklärt der sportliche Gottesmann.

Dabei zeigt er auf das Misereor-Hungertuch von 1992, das er in der Mitte seines Bücherschranks aufgespannt hat. Der argentinische Künstler Adolfo Pérez Esquivel malte darauf im Gedächtnisjahr „500 Jahre Lateinamerika“ Jesus inmitten von Märtyrern und Vertretern der Völker des Subkontinents. Sie lassen das Kreuz und die Ausbeutung von der Kolonialzeit bis heute hinter sich und brechen in eine neue Zukunft auf.

Bernhard Schmids Aufbruch über den Atlantik hat auch Geschichte. In Blönried bei den Steyler Missionaren in die Schule gegangen knüpfte er während des Theologiestudiums in Tübingen und Rom Kontakte zu Kommilitonen aus Lateinamerika. Nach dem Diplom verbrachte der heimatverbundene Schwabe über ein Jahr in Argentinien und Ecuador. „Ich durfte so viel Glauben bei den Menschen entdecken und Glauben weitergeben. Da habe ich mich dann entschieden, wirklich Priester zu werden“, erzählt er mit einem Strahlen in den Augen.

Dabei greift Bernhard Schmid nach einem roten Buch, das deutliche Gebrauchsspuren zeigt. „El libro del Pueblo de Dios“ steht in goldenen Lettern auf dem Einband. Mit dem „Buch des Volkes Gottes“, der Bibel, hat er schon wertvolle Erfahrungen gemacht, wenn Gruppen gemeinsam darin lesen und über das Wort Gottes sprechen. Als klassischer Missionar möchte sich der Theologe nicht bezeichnen. „Ich bin Wegbegleiter und ich möchte auch etwas lernen dort“, beschreibt er seinen Ansatz. Diesen hat er auch in seinen deutschen Gemeinden gelebt.

Über den sanften Hügeln um Rechberghausen und Wäschenbeuren ragt der bewaldete Kegel des Hohenstaufen auf. Die Barbarossakirche oben unterhalb der Burgruine ist dem Heiligen Jakobus geweiht. Sie liegt am Weg zum Apostelgrab in Santiago de Compostela, das Bernhard Schmid schon mehrfach besuchte. Das Symbol für Pilger auf diesem Weg, eine stilisierte gelbe Muschel auf blauem Grund, hält er in der Hand. Sie verbindet die Kontinente und wird ihn auch im argentinischen Santiago begleiten.

Die Kontakte zur dortigen Diözese knüpfte der Rottenburger Bischof Carl Joseph Leiprecht beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Sein Nebensitzer in der Versammlungsaula, Bischof Manuel Tato aus Santiago del Estero, bat ihn um ein „Fidei Donum“, ein „Geschenk des Glaubens“ in Form von Priestern. Leiprecht entsprach diesem Wunsch. „Momentan gibt es dort nur Pfarrpensionäre, obwohl bis heute zwei Stellen dafür vorgesehen sind“, erklärt Bernhard Schmid. Nun führt er diese Tradition fort.

Kerze, Klangschale und Kreuz bilden die Mitte des Wohnzimmertisches. Dazu eine Engelsfigur aus Holz. Hier kommt der Geistliche immer wieder zur Ruhe und schöpft im Gebet Kraft. Sein Glaube und seine Begeisterung für die Weltkirche übertragen sich auch auf die vielen Menschen, mit denen er im Kontakt ist. Mindestens 15 Jugendliche seiner Seelsorgeeinheit sammelten Auslandserfahrungen in einem Freiwilligendienst. Nun ist er selbst wieder an der Reihe. „Im Blick auf mein Alter ist mir klar“, bemerkt Bernhard Schmid mit einem Augenzwinkern. „Wenn ich gehe, dann muss ich es jetzt machen.“