Diözesanmuseum

Eine spannende Reise ins Mittelalter

Um dieses Schwert, ein so genanntes „Spatha“, geht es im ersten Teil der neuen Video-Reihe des Diözesanmuseums Rottenburg. Bild: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart/Christoph Schwarzer

Videos beantworten Fragen zu Grabungsfunden bei Sülchen und Programm zur Jahresausstellung wird ins Internet verlegt.

Das Diözesanmuseum Rottenburg startet heute auf seiner Homepage mit einem neuen Bewegtbild-Format. Darin nehmen der Theologe und Archäologe Matthias Raidt und weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Diözesanmuseums die Besucher in mehreren Beiträgen mit auf eine spannende Reise ins Mittelalter und stellen Grabungsfunde aus dem Gebiet der Sülchenkirche bei Rottenburg vor, einem im süddeutschen Raum einzigartigen Platz, der seit dem 6. Jahrhundert ununterbrochen als Bestattungsort genutzt wird.

Vergangene Geschichten spannend erzählt und erklärt

In der ersten Folge erläutert Raidt, was es mit dem so sogenannten „Jungen mit dem Schwert“ auf sich hat. In dessen Grab aus dem 7. Jahrhundert fanden die Archäologen nicht nur das als Beigabe in der damaligen Zeit für ein Jungengrab übliche Kurzschwert, sondern auch ein Langschwert, das normalerweise in besser ausgestatteten Gräbern erwachsener Männer auftaucht. Wie also kam nun dieses Schwert in das Jungengrab? Raidt liefert die spannend erzählte Antwort auf diese Frage. Die weiteren Folgen der neuen Reihe sollen in regelmäßigen Abständen auf der Museumswebsite veröffentlicht werden, das nächste Video bereits Anfang März. Raidt wird darin über „Das Mädchen mit der Goldmünze auf dem Mund“ sprechen. 

Digitale hochkarätige Vorträge zur Sonderausstellung

Zusätzlich zu dieser neuen Videoreihe bietet das Diözesanmuseum die im Rahmenprogramm der bis zum 4. Juli verlängerten Sonderausstellung „In unserer Erde. Grabfunde des frühen Mittelalters im Südwesten“ angekündigten hochkarätigen Vorträge in unterschiedlichen Onlineformaten an. „Das Museum öffnet damit digital seine Türen und erlaubt vielseitige Einblicke auf aktuelle Fragen und neue Forschungen“, freut es Dr. Melanie Prange, Leiterin des Diözesanmuseums und Diözesankonservatorin.

Goldblattkreuze, Glaubensvorstellungen und Landschaftsgeschichte

Zum Auftakt wird Dr. Martina Terp-Schunter, Leiterin der vhs Mühlacker und der Museen der Stadt Mühlacker, auf der Museumshomepage online über Goldblattkreuze als Zeichen des Glaubens und einer frühmittelalterlichen Globalisierung sprechen. Der einstündige Videovortrag beginnt am Sonntag, 7. März, um 15 Uhr. Zudem erläutert Dr. Terp-Schunter allen Interessierten ab Montag, 15. März, mittels einer animierten Bildergalerie auf der Homepage des Diözesanmuseums die verschiedenen Glaubensvorstellungen des 6. und 7. Jahrhunderts in der Region und geht dabei auf die Spannungen zwischen antiken, germanischen und christlichen Einflüssen auf die Menschen des frühen Mittelalters ein. Für den Online-Vortrag am 7. März wird um vorherige Anmeldung über die Museumshomepage oder per E-Mail gebeten (museum(at)bo.drs.de). Die Einwahldaten erhalten die Teilnehmer dann rechtzeitig zugesandt.

Ein weiterer virtueller Vortrag von rund einstündiger Dauer folgt am Sonntag, 11. April: Ab 15 Uhr spricht Dr. Lukas Werther vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Eberhard-Karls-Universität Tübingen zum Thema „Vom Acker auf den Tisch – archäologische Forschungsperspektiven auf Landschaft, Landwirtschaft und Ernährung in Südwestdeutschland im Früh- und Hochmittelalter“. Auch zu diesem Online-Vortrag wird um vorherige Anmeldung gebeten.

Ebenfalls im Zusammenhang mit der Jahresausstellung wird Dr. Beate Schmid vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart zum Thema „Sülchen – Kirche und Dorf“ sprechen. In dem Beitrag wird sie auf die Siedlung Sülchen, die frühe Kirche dort sowie auf deren Entwicklung eingehen. Format und Termin werden zeitnah auf der Homepage des Diözesanmuseums bekannt gegeben.

Podcast-Folge zur Ausstellung

Außerdem wird sich Museumsleiterin Dr. Prange im Kapellengespräch-Podcast mit dem Titel „Bürde oder Bereicherung?“ am Mittwoch, 10. März, zum Umgang mit dem kirchlichen Kunsterbe äußern.

Zum Hintergrund

Die mit ältesten ausgestellten Zeugnisse christlichen Lebens im Südwesten stammen aus den Grabungen bei der Sülchenkirche, wo Archäologen bislang rund 300 Gräber fanden, von denen etwa 80 auf das frühe Mittelalter datieren. Die Jahresausstellung „In unserer Erde“ des Diözesanmuseums Rottenburg vereint Fundstücke aus den reichhaltig und meist vollständig erhalten gebliebenen Sülchen-Gräbern bei Rottenburg sowie Exponate der archäologischen Sammlungen des Landes Baden-Württemberg. Am Übergang zum Christentum steht das Frühmittelalter dabei als Epoche des Wandels, die von Mobilität, Austausch sowie der Vernetzung unterschiedlicher Kultur- und Glaubensräumen geprägt war.