Wallfahrt

„Gebrauchsanweisung“ für den Glauben

Unter dem Leitwort „Salve Regina, ...wende deine barmherzigen Augen uns zu“ steht die Wallfahrtswoche auf dem Hohenrechberg: Pfarrer Dr. Horst Walter (von links), Festprediger Weihbischof Dr. Gerhard Schneider und Pfarrer Andreas Braun beim Eröffnungsgottesdienst. Foto: DRS/Jerabek

Start der Wallfahrtswoche auf dem Hohenrechberg: Von Maria lernen, was Glaube heißt.

Das „Salve Regina“, eines der ältesten und bekanntesten Gebete, steht als Leitwort über der Wallfahrtswoche 2020 auf dem Hohenrechberg bei Schwäbisch Gmünd. Unter verschiedenen Blickwinkeln wollen die Pilgerinnen und Pilger diesen Gruß an Maria betrachten und um Fürsprache bei Gott für verschiedene Personengruppen bitten.

Im Mittelpunkt des Eröffnungsgottesdienstes stand jedoch zunächst die Freude und Dankbarkeit, dass die Wallfahrtswoche stattfinden kann: Zum 93. Mal reihen sich Menschen aus nah und fern in den langen Strom der Pilger ein, um in der gemeinsamen Feier von Gottesdiensten ihre Sorgen und Nöte dem liebevollen Blick der Gottesmutter anzuempfehlen, wie Pfarrer Dr. Horst Walter erklärte. Mit einem Wort des Dankes wandte sich auch der Festprediger, Weihbischof Dr. Gerhard Schneider, an all diejenigen, „die dazu beitragen, dass das in dieser Woche, aber auch sonst in diesen Monaten überhaupt geht, dass wir feiern können“.

Ganz wesentlich für unseren Glauben

„Es ist wichtig, in einer Zeit, die für uns alle anstrengend ist, ungewiss im Blick auf einen Herbst und Winter, wo wir wissen, dass es auch anstrengender wird, Gottesdienst zu feiern – so wie es geht“, sagte Schneider, der als Weihbischof und Hauptabteilungsleiter besonders für die Bereiche Liturgie und Kirchenmusik zuständig ist. Gottesdienst zu feiern gehöre nicht einfach nur zum Glaubensleben dazu, sondern sei „ganz wesentlich für unseren Glauben“. Besonderer Dank gebühre deshalb „all den Diensten, die es sonst gar nicht gibt – wie der Willkommensdienst am Eingang und all die Dienste, die dafür sorgen, dass die Abstände eingehalten werden –, aber auch den Kantorinnen und Kantoren, der Musik, die in diesen Monaten so eine wichtige Rolle spielt“.

Mit den Augen Marias

Mit Blick auf das Wallfahrtspatrozinium am 8. September, dem Fest „Mariä Geburt“, das in der orthodoxen Kirche am Beginn des Kirchenjahres stehe und dieses gleichsam marianisch präge, lud der Weihbischof die Gläubigen dazu ein, einmal mit den Augen Marias auf das Leben Jesu zu schauen. Das Evangelium der Hochzeit zu Kana eigne sich besonders dafür, sich diesen Blickwinkel von Maria wahrhaftig vor Augen zu führen. So wie der Evangelist Johannes es im zweiten Kapitel erzählt, wie Maria lebt und handelt, gebe diese Begebenheit „eine Gebrauchsanweisung für den Glauben, für das, was eigentlich Glaube für uns bedeutet, wie Glaube gelebt werden kann“.

Drei Aspekte in diesem Evangelium, so Schneider, seien besonders wichtig, wenn es darum geht, „wie wir von Maria lernen können, was eigentlich Glauben heißt“. Ein erster scheine auf den ersten Blick banal, wenn Johannes berichtet, wie Maria bemerkt, dass es keinen Wein mehr gibt. Und sie gebe keine Handlungsanweisung, was eigentlich das Naheliegende gewesen wäre, sondern weise Jesus zunächst einfach darauf hin: Es gibt keinen Wein mehr. „Sie vertraut darauf, dass er weiß, was zu tun ist.“ Für uns selbst ganz wichtig: Wenn Menschen sich im Bittgebet an Gott wenden, gelte es der Versuchung zu widerstehen, ihm genau zu sagen, was und auf welche Art und Weise er etwas tun solle. Vielmehr gelte es, wie Maria einfach Gott zu benennen, was uns bedrückt, was unsere Not ist, und darauf zu vertrauen, „dass er weiß, was zu tun ist, und dass das in einer Weise gut sein kann, die wir in diesem Moment gar nicht so wahrnehmen“.

Ausführlich schildere Johannes – ein zweiter Aspekt –, dass es um Verwandlung geht. „Maria selbst war ja eine Verwandelte, hat es an sich selber erlebt und konnte vielleicht viel besser verstehen als alle anderen, was da geschah.“ Für Menschen heute könne das heißen: „Seid als Christen darauf gefasst und lasst es zu, dass Gott euch auch verwandelt und dass Gott euch selbst und eurer Leben zu etwas Großem verwandeln kann.“ Aber so wie es bei der großen Szene der Verkündigung das „Ja“ Mariens bedurfte, brauche es bei jeder Verwandlung, die uns selbst im Glaubensleben zuteilwerde, unsere Zustimmung und unser Mitwirken, erklärte der Weihbischof.

Die Herrlichkeit des Evangeliums erkennen

Und drittens: Die Erzählung von Kana ende mit dem Hinweis darauf, dass sich auf diese Weise – in dem Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein - Jesu Herrlichkeit offenbart habe: „Es wurde offenbar, wer Jesus ist, was sich mit seinem Evangelium verbindet und was das für uns heißt“, sagte der Festprediger. Es gehe hier um eine Verwandlung von etwas Einfachem zu etwas Wertvollem, Großartigem, Freudigem. Dies sei ein Zeichen dafür, dass hier eine frohe Botschaft, „eine Botschaft der Lebensfreude verkündet wird, weit über diese Feier von Kana hinaus, weit über unsere jetzige Eucharistiefeier hinaus - in unser ganzes Leben hinein“. Es gelte, die Herrlichkeit des Evangeliums zu erkennen: etwas Großartiges und Schönes, das Lebensfreude schafft, das unser ganzes Leben prägen soll, wünschte Weihbischof Schneider der großen Festgemeinde.

Dem liebevollen Blick Marias anempfehlen

Bei der Wallfahrtswoche, die noch bis Sonntag, 13. September dauert, wird ein Satz aus dem „Salve Regina“ besonders betont: „… wende deine barmherzigen Augen uns zu“. Diese Bitte steht als Tagesthema über jedem Werktag dieser Woche, jeweils ergänzt um eine Personengruppe, die an diesem Tag in einer Eucharistiefeier unter freiem Himmel, in der Anbetung und im Rosenkranzgebet dem liebevollen Blick der Gottesmutter besonders anempfohlen werden soll: alle, die in einem geistlichen Beruf tätig sind (7.9.); alle, die unter Corona leiden (8.9.); die verfolgten Christen (9.9); die Familien (10.9.); Kinder und Jugendliche (11.9.); die kranken und alten Menschen (12.9.). Das Nachtgebet der Kirche, die Komplet, bildet den Abschluss des Wallfahrtstages.