Diözesanrat

Jahresüberschuss 2018 kommt wichtigen Projekten zugute

Die Vertreter des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart für den Synodalen Weg sind (v.l.) Stadtdekan Christian Hermes aus Stuttgart und Daniel Noa aus Ludwigsburg. Bild: DRS

Der Diözesanrat beschließt die Verwendung des Jahresüberschusses 2018 und legt als pastoralen Schwerpunkt die Kirchenbindung junger Erwachsener fest.

In der Novembersitzung des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart legte das oberste gewählte Priester- und Laiengremium der Diözese Rottenburg-Stuttgart die pastoralen Schwerpunkte für die Jahre 2021/2022 sowie die Verwendung des Jahresüberschusses 2018 fest. Zuvor verabschiedete das Gremium im Kloster Reute am Freitagnachmittag zusätzlich eine Erklärung zur Entschädigungsfrage der Missbrauchsopfer. „In unserer Diözese wird es keine Anerkennungszahlungen für Opfer von sexuellem Missbrauch aus Kirchensteuermitteln geben. Das Geld hierfür wird aus Vermögenswerten der Diözese, die nicht durch Kirchensteuergelder zustande gekommen sind, bereitgestellt“, betont Bischof Dr. Fürst. Der berechtigte Anspruch der Opfer steht hierbei außer Frage.

Pastorale Schwerpunkte: Junge Erwachsene im Fokus

Die bedrückenden Entwicklungen bei den Kirchenaustritten aber auch die rückläufigen Zahlen der Trauungen, Taufen und Gottesdienstbesuchen sind Haupt-gründe für den pastoralen Schwerpunkt der Kirchenbindung junger Erwachsener. Das Projekt soll nicht mit dem vorrangigen Ziel des Wiedereintritts, jedoch mit der Motivation, ernsthaft und achtsam nach den zugrundeliegenden Motiven für die Abwendung zu suchen, ins Leben gerufen werden. „Dazu müssen wir bewusst auch mal aus bestehenden Strukturen ausbrechen und etwas Neues wagen“, erklärt Diözesanratssprecher Dr. Johannes Warmbrunn. „Wir wollen erfahren, was sich die 18 bis 35-jährigen von der Kirche wünschen und dabei innovative Wege einschlagen.“ Mit entsprechenden Ressourcen sollen hier zeitgemäße Möglichkeiten gefunden werden, das Leben an Jesus Christus zu orientieren. Ein konkretes Konzept wird noch folgen – dieser Schwerpunkt ist jedoch schon jetzt mit großer Mehrheit beschlossen worden.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Vorbereitung und Durchführung des für 2022 geplanten Katholikentags in Stuttgart. Die nachhaltige Gestaltung der Kirchengemeinden in ökonomisch, ökologisch und sozialer Weise bildet den dritten pastoralen Schwerpunkt. „Damit haben wir drei tolle pastorale Themen, die für die Innovationsfähigkeit und Weiterentwicklung unserer Diözese von besonderer Bedeutung sind“, erklärt Warmbrunn

Finanzüberschuss 2018: Verantwortungsbewusste Verwendung

47,8 Millionen Euro umfasst der Jahresüberschuss 2018 der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Dieser wird für unterschiedliche Projekte und Bereiche verwendet. Für den pastoralen Schwerpunkt der Kirchenbindung junger Erwachsener beschließen die Mitglieder des Rats fünf Millionen Euro als “Wagniskapital“ bewusst experimentell und als klares Zukunftssignal einzusetzen. „An dieser Stelle gilt allen Kirchensteuerzahlern unser Dank“, führt Werner Krahl, Leiter des Finanzausschusses, in den Tagesordnungspunkt ein. „Wir, als Kirchensteuervertretung unserer Diözese, versprechen Ihnen transparent und verantwortungsvoll Projekte und Maßnahmen finanziell zu unterstützen.“

Neben dem Projekt der Kirchenbindung beschließt der Diözesanrat unter der Maxime “Ethos & Verantwortung“ 17 Millionen Euro des Überschusses in Präventionsmaßnahmen für sexuellen Missbrauch sowie die weltkirchliche Arbeit und Flüchtlingshilfe zu verteilen. Durch entsprechende Förderungen von Familienzentren und dem Fonds für bezahlbaren Wohnraum, kommen auch Familien über drei Millionen Euro zugute. Weitere Verwendungen gelten der Schulstiftung, der Altersvorsorge der in der Diözese Beschäftigten, den Wallfahrtsorten, der Inventarisierung von Kunstgegenständen und der Hochschule für Kirchenmusik. „Der Diözesanrat hat in seiner Verantwortung der Kirchensteuervertretung einstimmig diese Verteilung beschlossen“, sagt Warmbrunn. „Ich freue mich sehr, dass wir in so vielfältiger Weise gestalten und gleichzeitig für die Zukunft vorsorgen können.“

 

Start des Synodalen Wegs

Das Gremium hat ferner beschlossen, sich konstruktiv an dem am ersten Advent eröffneten Synodalen Weg der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken zu beteiligen. Für die entsprechenden Gremien des synodalen Wegs entsendet der Diözesanrat zwei Vertreter aus seinen Reihen: stellvertretend für den Diözesanrat Daniel Noa aus Ludwigsburg sowie für den Priesterrat den Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes. In einer entsprechenden Erklärung fordert das Gremium alle kirchenrechtlich gegebenen Zugangsmöglichkeiten von Frauen und nicht zölibatär lebenden Männern zu nutzen und längst überfällige Reformschritte in der katholischen Kirche – einschließlich der hierfür notwendigen Änderungen des Kirchenrechts – in die Wege zu leiten. Auf allen Ebenen sollen Laien in Leitungsfunktionen berufen werden sowie Ortskirchen und deren Entscheidungsbefugnisse gestärkt werden. Einen wichtigen Schritt sieht der Rat auch im sinnvollen Teilen von Macht und Verantwortung. „Unsere Diözese geht hier bereits beispielhaft voraus“, erklärt Bischof Fürst. „Seit fast 50 Jahren herrscht bei uns bereits eine Machtteilung, indem mich der Diözesanrat mit einer zwei Drittel Mehrheit in Themen des Haushaltes überstimmen kann. Unser Rottenburger Modell ist damit einzigartig in der Weltkirche.“