Fastenzeit '21

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„7 Wochen neue Sicht“ ist das Motto der diesjährigen Fastenaktion für Paare. Bild: AKF

„7 Wochen neue Sicht“ – so lautet das Motto einer speziellen Aktion zur Fastenzeit für Paare.

Interessierte haben ab sofort die Möglichkeit, sich unter www.7wochen-neue-sicht.de anzumelden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten dann von Aschermittwoch bis Ostern Impulse, um ihre Beziehung besonders in den Blick zu nehmen. Bei der Aktion handelt es sich um ein bundesweites Angebot der katholischen Kirche. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird es von Referentin Mechthild Alber vom Fachbereich Ehe und Familie gestaltet. Im Interview berichtet sie, was die Paare erwartet und warum es gerade während der Corona-Pandemie wichtig ist, sich Zeit für die Beziehung zu nehmen.

Frau Alber, nahezu ein Jahr Corona liegt nun hinter uns mit Lockdown, Homeoffice, Homeschooling und vielen weiteren Einschränkungen und Herausforderungen. Sie haben schon berufsbedingt viel Kontakt zu Paaren. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf deren Beziehung?

Viele Paare haben viel mehr Zeit miteinander verbracht als sonst, was schön, aber auch stressig sein kann – je nachdem. Da spielen äußere Faktoren eine wichtige Rolle: Wie viel Platz hat man und wie stabil ist das Internet?  War das Homeschooling gut oder chaotisch organisiert? Aber natürlich wirkt sich auch die Beziehungsqualität aus. Für Paare, die ohnehin schon Probleme miteinander hatten, hat Corona alles noch verstärkt, weil der Rückzug in die „eigene“ Berufswelt eingeschränkt war, der Kontakt zu Kollegen fehlte, die Entspannung durch Hobbies und Unternehmungen blieb aus etc. Dazu kamen Ängste vor den wirtschaftlichen Konsequenzen und möglicherweise um die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Und schließlich hatte jeder auch seine eigenen „Strategien“ im Umgang mit den Corona-Einschränkungen. Manche waren sehr ängstlich, andere konnten den Sinn von manchen Maßnahmen nicht einsehen. Das führte im Zusammenleben auch zu Konflikten.

Mit der Fastenaktion „7 Wochen neue Sicht“ möchte die katholische Kirche bundesweit Paaren eine ganz besondere Beziehungszeit ermöglichen. Was erwartet die Teilnehmenden und spielt Corona auch hier eine Rolle?

Der Titel ist aus der Überlegung entsprungen, dass durch die Einschränkungen der sozialen Kontakte Paare stärker als sonst aufeinander fokussiert waren. Darin liegt ja auch eine Chance, wenn man sich dabei neu und anders entdeckt. Viele Paare etablieren im Lauf der Zeit eine gewisse Beziehungsroutine, die einerseits Stabilität und Sicherheit gibt, wo aber mitunter die Lebendigkeit und Beziehungsintensität verloren geht. In acht ansprechend gestalteten Briefkarten der Aktion finden die Paare daher kurze Impulstexte und Anregungen für ihr Miteinander zu folgenden Themen: „Überraschend anders“, „Anfängergeist“, „Stell dir vor“, „Kurswechsel“, „Zwischenstopp“, „Ich sehe was, was du nicht siehst“, „Neubewertung“ und „Ohne Aussicht?“.

Man kann die Texte gemeinsam lesen und darüber ins Gespräch kommen oder eine der Anregungen ausprobieren. Vielleicht bleibt die Karte noch eine Zeit lang an einem besonderen Ort stehen. Diese Aktion, die von vielen Diözesen in Deutschland gemeinsam durchgeführt wird, möchte Paaren einen Anstoß geben. Was die einzelnen Paare daraus machen, liegt dann bei ihnen.

Sie haben von den Belastungen gesprochen, die Paare gerade durchstehen müssen. Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, sich gerade während der Fastenzeit trotzdem Zeit füreinander zu nehmen? Also welchen Mehrwert erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

Wenn sich ein Paar entschließt, bei der Aktion mitzumachen, bedeutet das ja: Wir sind es uns wert! Alleine das ist schon ein positives Signal der gegenseitigen Wertschätzung. Es ist wie mit dem Silberbesteck: Man muss es von Zeit zu Zeit ein bisschen aufpolieren, dass es wieder glänzt. Die Aktion ist bewusst sehr niederschwellig: Sie kommt zu den Paaren nach Hause, diese können so eine Zeit und einen Ort finden, der passt. Und wenn es in einer Woche nicht klappt, ist das auch kein Drama. Es geht auch nicht darum, Probleme zu wälzen, sondern (neue) Ressourcen zu entdecken. Der Mehrwert liegt darin, sich (wieder) näher zu kommen. Zu spüren, was einen selbst und den Partner bewegt. Das Herz füreinander zu öffnen. Vielleicht spüren Paare an der einen oder anderen Stelle auch, dass sie schon länger nicht mehr in inneren Kontakt gekommen sind oder sich immer in den gleichen Problemen verfangen. Das kann dann ein Anstoß sein, nach mehr Unterstützung zu suchen.

Die Aktion ist auch ein spirituelles Angebot für Paare, denn in eine Paarbeziehung spielt immer – sei es bewusst oder unbewusst – die Gottesbeziehung und der Glaube hinein. Beides kann sich gegenseitig befruchten. Daher ist auch die Fastenzeit ein guter Rahmen für diese Aktion.

Zur Person: Mechthild Alber

Die 60-jährige Theologin ist seit 1991 als Referentin im Fachbereich Ehe und Familie in der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft des Bischöflichen Ordinariats tätig. Schwerpunkte von Albers Arbeit sind die Ehe in der nachfamiliären Phase, Spiritualität in Beziehungen und biblisches Erzählen. Zudem arbeitet sie beim Wort zum Tag auf SWR 2 mit.