Gottesdienst

Gottes Liebe eröffnet neue Horizonte

Bei einem multimedialen Gottesdienstevent in der Pfarrkirche St. Albanus in Schwäbisch Gmünd-Herlikofen haben junge Leute vor allem musikalisch Horizonte geweitet. Die musikalische Leitung hatte Yannick-M. Groß. Foto: drs/Jerabek

Weißt du, was wird? Mit Gedanken zur Zukunft und Mutmachendem für den Alltag sind Hunderte in einem mitreißenden Gottesdienst ins neue Jahr gestartet.

Geheimnisvolle Stille. Der Altarraum ist in dunkles blaues Licht gehüllt. Sterne, die unendliche Weite des Alls, eine Sonnenfinsternis – die auf eine Leinwand projizierten Bilder geben einen Eindruck von der Anfangsszenerie des Schöpfungsberichts. Einzelne, dunkle Akkorde auf dem E-Piano stimmen musikalisch in diesen Gottesdienst ein, der die tief empfundenen Unsicherheiten vieler Menschen zum Jahresbeginn aufgreifen und Horizonte weiten will. Nicht weniger als die wirklich großen, die existenziellen Fragen hat sich das Projektteam aus Herlikofen in dem multimedialen Gottesdienstevent zum Thema gemacht.

In feierlichem, geduldigem Legato ahmen die Streicher nach, was Jugendliche über den Gang der Schöpfung vortragen und pantomimisch andeuten und was der Projektor auf die Leinwand wirft: Berge, die sich aus dem Nebel erheben, Meereswellen und gigantische Wasserfälle, eine blühende Blumenwiese, der Mensch in seiner wunderbaren Komplexität aus Gefäßen und DNA… Die Musik schwillt an, wird stürmisch und nimmt sich dann wieder geheimnisvoll zurück, als Panzer über die Bildfläche rollen und Kreuze eines Soldatenfriedhofs sichtbar sind – die Verführung des Menschen, der sein wollte und sein will wie Gott, hat den Traum des ewigen Paradieses zunichte gemacht. Zu hören ist die Filmmusik „Time“ von Hans Zimmer aus dem Science-Fiction-Film „Inception", einfühlsam arrangiert von dem jungen Musiker Yannick-M. Groß, der zum dreiköpfigen Projektteam des Gottesdienstes gehört.

365 Tage voller Chancen

Teamkollege Robin Sing sagt: „365 Tage voller Chancen und voller Möglichkeiten, die gestaltet und genutzt werden wollen, liegen vor uns.“ Gemeinsam wolle man nachdenken über Pläne, die oft genug von Ungeplantem überschattet werden, und überlegen, „was hinter dem Horizont ist“, den der Gottesdienst in eindringlicher Deutlichkeit aufzeigt. Seit jeher dächten Menschen über ihre Zukunft nach, doch selten sei so viel Unsicherheit dabei wie heute.

Zwei dystopische Romane von George Orwell („1984“) und Aldous Huxley („Schöne neue Welt“) dienen gleichsam als Brennglas, mit dem Entwicklungen der Gegenwart betrachtet und durchschaut werden sollen. Bei dem einen Autor ist es eine globalisierte Welt mit totaler Überwachung, wie sie sich heute in China in besonders beklemmender Weise zeigt; der andere Schriftsteller steht unter dem Einfluss der Eugenik-Debatte, die sich heute in der Gentechnik bemerkbar macht: Für rund 20.000 Dollar könnten sich Eltern in den USA ihr Traumkind bestellen. In so manchem Institut sei man der „Schönen neuen Welt“ schon nahe gekommen, finden die Jugendlichen. „Hat die Realität von heute die Fiktion von einst schon eingeholt?"

Woher sollen die guten Nachrichten kommen?

Die Realität sei hart, sagen die jungen Leute. Gute Nachrichten? Woher sollten sie denn kommen? In diesem Moment setzt der Chor „conTakte“ ein mit dem Lied „Im Jubel ernten, die in Tränen säen“, einem neueren Lied aus dem „Gotteslob“, das sich an Psalm 126 orientiert. Auch eine Vertonung von Psalm 23 (Der Herr ist mein Hirte), einmal mehr stimmig bearbeitet von Yannick-M. Groß, und das Paulus-Wort „Freut euch zu jeder Zeit“ atmen die Freude und die Hoffnung der christlichen Botschaft. Den Himmel auf Erden könnten die Menschen nicht aus eigener Kraft schaffen, sagt eine junge Sprecherin. Jesus rufe aber dazu auf, „jetzt schon dafür zu sorgen, dass die Erde für niemanden zur Hölle wird“. Nicht fehlen darf da doch Udo Lindenbergs „Hinterm Horizont geht’s weiter“, solistisch dargebracht von Immanuel Roth, begleitet von dem Projektorchester, das Groß aus jungen Musikerinnen und Musikern des MV Herlikofen und der Philharmonie Ostwürttemberg zusammengestellt hat.

Die Liebe als Motor für eine bessere Welt

Und dann ist da noch die Liebe, die in Orwells Roman keinen Platz hat, die aber – so findet nicht nur der Autor – eine Alternative sein könne zu einer absurden Welt. Ja, Liebe könne der Motor sein zu einer (wirklich) schöneren und besseren Welt. „Liebe kann uns retten.“ An diesem Gedanken, der „der Kern dessen ist, was wir als Christinnen und Christen an Weihnachten feiern“, entfaltet Weihbischof Thomas Maria Renz, der zu dem Gottesdienst nach Herlikofen gekommen ist, seine Impulse. Mit Blick auf den Römerbrief nennt der Jugendbischof fünf Merkmale für das Reich Gottes unter uns: Gerechtigkeit, Frieden, Freude, Liebe und Freiheit. An diesen ganz konkreten Wirklichkeiten in unserem Alltag werde das Reich Gottes erfahrbar – oder eben nicht. Jeder und jede könne diese Merkmale der Gegenwart Gottes im neuen Jahr mit Leben füllen, betont Renz.

Der Weihbischof erinnert auch an die nach wie vor wegweisende Enzyklika des verstorbenen Papstes em. Benedikt XVI., in der es in der Einführung heißt: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.“ Die Menschwerdung Gottes sei Ausdruck seiner Liebe zur Welt. Und weiter heißt es: „Die Liebe ist nun dadurch, dass Gott uns zuerst geliebt hat, nicht mehr nur ein ‚Gebot‘, sondern Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegengeht.“

Begeisterung strahlt aus

Von der Hingabe, für die auch Menschen heute bei Maria Maß nehmen können, zeugt das „Magnificat“, das der Chor aus Bettringen abschließend intoniert. Er versprüht damit auch noch einmal etwas von der Begeisterung, die von Beginn an in diesem von der diözesanen „JUST“-Stiftung finanziell geförderten Gottesdienst übergesprungen ist und die Schwäbisch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold in einem kurzen Grußwort würdigt: Zukunft nicht vorhersagen, sondern Zukunft zu gestalten, das sei die Devise. „Und wenn wir junge Leute haben wie hier in Herlikofen, die mit Begeisterung, mit Kraft, mit Mut, mit Zuversicht, mit Optimismus sich daran machen, dann ist das schon eine gute Sache.“ Mit einem feierlichen Segen durch Weihbischof Renz und mit Standig Ovations der Kirchenbesucher für die vielen Mitwirkenden werden auch mehrere hundert Menschen, die den Gottesdienst im Livestream verfolgt haben, ausgesandt, auf Gottes Liebe zu antworten.

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