Mutter-Teresa-Stiftung

Wacher Blick gefordert

Ausstellung zur Altersarmut

Jörg Sauter von der Mutter-Teresa-Stiftung freut sich über viele Interessierte bei der Ausstellung zur Altersarmut im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart. Bild: Eva Wiedemann/Diözese Rottenburg-Stuttgart

Im Haus der Katholischen Kirche startet eine Ausstellung zur Altersarmut. Diese droht knapp einem Fünftel aller Rentner:innen.

Ein Grund, weshalb die Mutter-Teresa-Stiftung der Diözese Rottenburg-Stuttgart das Projekt „Aktiv gegen Altersarmut“ ins Leben gerufen hat. Vorstand Jörg Sauter spricht im Interview über das harte Schicksal Betroffener und die Hilfsangebote der Stiftung. Er appelliert aber auch, achtsam von Armut betroffene Menschen in das öffentliche Leben mit einzubeziehen.

Herr Sauter, warum ist Altersarmut ein gesellschaftliches Problem, das eher ein Schattendasein führt?

Altersarmut und -einsamkeit findet nicht in der Öffentlichkeit, sondern im Verborgenen statt. Das Thema ist bei den Betroffenen mit sehr viel Scham behaftet und Altersarmut zieht logischerweise Einsamkeit nach sich. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wird aus nachvollziehbaren Gründen zurückgefahren, weil freie finanzielle Mittel notwendig sind, um zu partizipieren. Dies beginnt bei der klassischen kulturellen Teilhabe wie Kino, Konzert oder Theater, bei Besuchen im Kaffee oder Restaurant, geht über Einladungen von anderen Menschen bei sich zuhause oder die Ablehnung von Einladungen von anderen bis hin zur Unmöglichkeit, an Reisen etc. teilzunehmen.

Eine enge Einbindung in die eigene Familien mit Ehemann oder Ehefrau, Kindern, Enkeln oder anderen Verwandten hilft vielen Menschen. Aber wenn diese Einbindung nicht vorhanden ist oder der räumliche Abstand zu groß wird, trägt dieses System immer weniger. Besonders Frauen sind von Altersarmut bedroht.

Die Mutter-Teresa-Stiftung der Diözese Rottenburg-Stuttgart fördert gezielt Initiativen, die Einsamkeit und Armut im Alter bekämpfen. Nennen Sie uns ein paar Beispiele?

Das Ansinnen unserer Stiftung ist zum einen, über das oftmals tabuisierte Thema Altersarmut und -einsamkeit zu informieren. Daher auch die Ausstellung im Haus der Katholischen Kirche im Herzen der Stuttgarter Innenstadt. Wir suchen Unterstützerinnen und Unterstützer im ideellen und finanziellen Sinn und hoffen darauf, dass wir dadurch auch weitere Anregungen erhalten, wo wir als Stiftung helfen können. 

Zum anderen helfen wir bereits jetzt direkt, indem wir andere Organisationen fördern, die sinnhafte Projekte durchführen. Dies beginnt bei spirituellen Abendspaziergängen in Waiblingen und geht beispielsweise über die Vernetzung der Hospizarbeit und Begleitung von Sterbenden in Ehingen bis hin zur Qualifizierung von Menschen für geistliche Impulse bzw. für die Betreuung zu pflegender Menschen in der Region Reutlingen. Direkt helfen wir z.B. über den Fonds gegen Altersarmut der Caritas in Stuttgart oder mit der Unterstützung von Einzelnen z.B. mit 200 Euro zum Kauf eines E-Bikes zur Erhaltung der Mobilität.

Des Weiteren planen wir im Jahr 2023 besonders Maßnahmen zur Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Hospizarbeit zur Begleitung sterbender Menschen unter anderem im Landkreis Tübingen und wir unterstützen die Freiwilligkeitsdienste im Landkreis Esslingen. 

Was können Menschen tun, um zum einen Altersarmut zu verhindern und zum anderen Menschen, die von Altersarmut und Einsamkeit im Alter betroffen sind, zu helfen?

Natürlich ist der wache Blick von uns allen gefordert. Betroffene Menschen im persönlichen Umfeld verstärkt in das öffentliche Leben miteinzubeziehen, hilft in jedem Fall. Aber auch strukturelle Maßnahmen wie oben beschrieben, können helfen. Unsere Erfahrung ist, dass die Altersarmut ein dominantes, strukturelles Problem ist. Die oftmals daraus erwachsende Alterseinsamkeit lässt die Menschen jedoch emotional leiden und verzweifeln.

Ausstellung zur Altersarmut im Haus der Katholischen Kirche

Die Ausstellung der Mutter-Teresa Stiftung widmet sich unterschiedlichen Aspekten der Altersarmut. Interessierte haben die Möglichkeit, ihre Gedanken und Anregungen zum Thema mit Rückmeldekarten vor Ort abzugeben. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten im Haus der Katholischen Kirche (Königstraße 7, 70173 Stuttgart) den ganzen Februar über zu sehen.

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